Yoga

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Yoga leitet sich von der Sanskritwurzel "yuj", was soviel wie verbinden, vereinen, anjochen bedeutet. Es ist ein seit Jahrtausenden altes,  überliefertes  Übungssystem, welches den Menschen unterstützt in die Einheit zu finden und somit die Rückverbindung zur göttlichen Quelle, der Einheit mit sich, anderen und der Umwelt schafft. Yoga führt von der Dualität in die All- Einheit .

"So wie die Sonnenstrahlen sich brechen und das Spektrum des sichtbaren Lichts bilden, wurde Yoga in acht Stufen, die sich wie Glieder eines Fächers öffnen, aufgeteilt." (G.S. Iyengar:" Yoga für die Frau", S. 27)

Nach Patanjali unterteilt sich Yoga in acht Glieder, wobei jedes Glied wiederum mit dem Ganzen zusammenhängt, was bedeutet, wenn sich ein Glied entwickelt, folgen die anderen automatisch. Die einzelnen Glieder durchdringen einander, hängen voneinander ab und führen trotz ihres unterschiedlichen Erscheinungsbildes zum gleichen Ziel, der Reinigung von Körper, Geist und Verstand (sutra, II.28).

Die acht Stufen werden wie folgt beschrieben:

Yama beinhaltet die Enthaltung von "Übeltun", bezeichnet also eine gesellschaftliche Disziplin, eine allgemeine Ordnung, die für alle Menschen gültig ist. Als Mitglied einer Gesellschaft hat ein Mensch bestimmte Verpflichtungen, um sein eigenes und ebenso das Glück der anderen zu wahren. Laut Patanjali sind diese Verpflichtungen oder RegelN.

1.1 Ahimsa bedeutet Gewaltlosigkeit und eine überlegte, behutsame und achtsame Begegnung mit allem, was lebt, besonders mit den Lebewesen, die hilflos sind oder sich in Schwierigkeiten befinden.

1.2 Satya bedeutet wahrhaftigkeit und beinhaltet eine aufrichtige Verständigung durch Sprache, Gesten und Handlungen.

1.3 Asteya bedeutet Nichtstehlen oder nichtbegehren bzw. uns von dem Wunsch nach Dingen zu lösen, die uns nicht gehören.

1.4 Brahmacarya bedeutet Enthaltsamkeit in besonderem auf sexueller Ebene. Sexualität soll mit einem Partner maßvoll, in Liebe und Achtung vor dem anderen gelebt werden und immer auf das Göttliche ausgerichtet sein. Sexualität darf nicht zur Triebbefriedigung gelebt werden.

1.5 Aparigraha bedeutet Enthaltung von Gier bzw. Nichtbesitzergreifen. Es ist die Fähigkeit uns auf das zu beschränken, was wir wirklich benötigen, und nur das anzunehmen, was uns zusteht.

Niyama bezeichnet unsere individuelle Disziplin. Es sind positive Empfehlungen, nach denen ein Yogi streben sollte. Es ist eine besondere Ordnung, die nur für Übende gedacht ist und unsere Haltung gegenüber uns selbst beinhaltet. Hierzu gehören:

2.1 Sauca bedeutet Reinigung, die sich auf unseren Geist, unseren Körper und unsere Umgebung bezieht.

2.2 Santosa bedeutet Zufriedenheit/ Bescheidenheit, die darauf beruht, dass wir mit dem zufrieden sind, was wir haben und nicht ständig etwas vermissen, was wir nicht haben.

2.3 Tapas bedeutet geistige Disziplin. Es ist die Überwindung allen Verlangens nach sinnlichen Vergnügungen durch die Übung der Reinheit in Gedanken, Worten und Taten. Geistige Disziplin beseitigt die Unreinheiten vom Körper und Verstsand und führt zur Beherrschung der Sinne.

2.4 Svadhaya bedeutet Selbststudium und heißt, die uns bestimmten Pflichten zu erfüllen und all unsere Kräfte des Körpers, des Verstandes und der Vernunft auf die Selbstentwicklung zu konzentrieren, unserem höheren Selbst zu lauschen und das Göttliche in uns zu verwirklichen.

2.5 Isvara Pranidhna beinhaltet die Hinwendung zu Gott. Es beinhaltet, alle Handlungen dem Göttlichen zu weihen und frei von Begierden eins mit dem Göttlichen zu werden.

Asana bedeutet Haltung und beinhaltet den Körper in einer besonderen Stellung zu halten. Sie sind als Vorbereitung für die Meditation gedacht, damit der Körper über eine längere Zeit still und regungslos sitzen kann. Einerseits halten sie den Körper flexibel und geschmeidig und andererseits als Tempel der Seele gesund und kraftvoll.

Pranayama beinhaltet eine bewusste Lenkung der Atmung und führt so zu innerer Ruhe und mentaler Ausgeglichenheit. Es gibt drei wichtige Funktionen im Atemgeschehen: Rechaka - die AA, Puraka - die EA  und Kumbhaka  - das Anhalten der Atmung. Mit Hilfe dieser Funktionen wird das Atemgeschehen auf unterschiedliche Weise beeinflusst.

Pratyahara bedeutet Zurückziehen der Sinne nach Innen. Die Sinnesorgane kommen über den Verstand mit der Außenwelt in Kontakt. Das Interesse der Sinne sich nach Außen zu richten, um dem Verlangen nach weltlichen Dingen nachzugehen, muss nach Innen auf das Göttliche gerichtet werden.

Dharana bedeutet Konzentration und beinhaltet die Fähigkeit unseren Geist auf einen Gegenstand ohne Ablenkung auszurichten.

Dhyana bedeutet Meditation und ist eine Fortführung von Dharana.

Samadhi beinhaltet die Verschmelzung mit dem Göttlichen. Dharana führt zu Dhyana und Dhyana führt zu Samadhi. " Wie ein Fluss, der seine individuelle Seele in den Ozean ergießt und seine Identität verliert, wir die individuelle Seele eins mit Gott." (G.S. Iyengar,ebd., S.41)

Patanjali hat einen Weg geschaffen, der es den Übenden ermöglicht mit dem Göttlichen zu verschmelzen.

 

Im Yoga gibt es vier Hauptpfade, die letzendlich zum selben Ziel führen sollen: der Verschmelzung mit dem Göttlichen, mit Brahman.

  1. Karma Yoga ist das Yoga der Tat. Durch selbstloses Handeln ohne an Lohn oder Lob zu denken, wird das Herz gereinigt. Ziel des Karma Yoga ist es , sich frei zu machen von den Früchten der Arbeit und diese dem Göttlichen zu überlassen. Hilfreich ist es, den Geist bei jeder Arbeit auf ein Mantra zu konzentrieren.
  2. Bhakti Yoga ist der Pfad der Liebe, der Hingabe, der Demut und der Verehrung. Der hakti Yoga wird in erster Linie durch die Kraft der Liebe aktiviert und sieht Gott als die Verkörperung aller Liebe, hierbei geht es um die liebevolle Öffnung für Mensch und Natur, darum Gott zu lieben. Das Singen von Mantren, das Sprechen von Gebeten und die Verehrung des Göttlichen gehören wesentlich zum Bhakti Yoga. Bhakti Yoga beginnt in Liebe, verläuft in Liebe und endet in Liebe.
  3. Jnana Yoga ist das Yoga der Erkenntnis und beinhaltet das Studium der heiligen Schriften. Durch das Studium der Schriften und das Studieren der Philosophie sollen Erkenntnisse über das eigene Selbst, das eigene wahre Wesen und über die kosmischen Gesetze erlangt werden. Durch Analyse und Unterscheidungskraft entsteht richtiges, intuitives Verstehen, welches zu Selbsterkenntnis führt.
  4. Raja Yoga wird auch als das königliche Yoga bezeichnet und beinhaltet den gesamten acht-gliedrigen Pfad nach Patanjali (s.unter Aktuelles), der gleichzeitig Weg und Ziel des Raja Yogis ist. Es ist die Wissenschaft geistiger und körperlicher Kontrolle und bietet somit eine umfassende Methode Gedankenwellen zu kontrollieren, indem geistige und körperliche Energie in spirituelle Energie umgewandelt wird.